Schriftstellerin und Salonnière – Gertrude Stein

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Gertrude Stein (3. Februar 1874 bis 27. Juli 1946) zum 80. Mal. Aus diesem Anlass erschien eine umfangreiche, detailliert aufgearbeitete Biographie der amerikanischen Schriftstellerin Francesca Wade.

Der Satz aus ihrem Gedicht „Sacred Emily“ „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ (1913) wurde weltbekannt. Aber sie war nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Verlegerin, Kunstsammlerin und Salonnière. In ihrem Salon traf sich die damalige Künstlerszene und netzwerkte. Zusammen mit ihrem Bruder begann sie Kunstwerke junger Künstler zu sammeln. Heute sind es Berühmtheiten wie Picasso oder Matisse. Als Literatin schrieb sie Gedichte, Novellen und Romane. Alles in einem neuen Schreibstiel, der erst nach und nach Anerkennung fand. „Denken Sie an die Bibel und Homer, denken Sie an Shakespeare und denken Sie an mich,“ so äußerte sich Gertrude Stein über ihr Schreiben.

Die Biografie teilt sich in zwei Teile

Prolog
Teil 1 Leben
Aus der alten Welt | Vita Nuova | Mensch der Schriften | Extreme kubistische Literatur | Ein Vexierbild | Das Unanstoßbare anstoßen | Ein Knaller und eine Sensation | Öffentlichkeitsheilige | Historisch sein

Teil 2 Nachleben Abrechnung,
Giftweizen | Diagrammbuch |Heiliges Vertrauen | Chronique scandaleuse | Paraden und Feuerwerk | Wie lautet die Frage | Die Äste | Prolog

Eine bedeutende Biografie einer bedeutenden Frau des 20. Jahrhunderts

In ihrem Buch zeichnet Francesca Wade ein akribisch recherchiertes Bild von Gertrude Stein. Allein das Nachregister mit Textzitaten, Anmerkungen und ausgewählten Bibliografien zeigt, wie detailliert sie seit dem Herbst 2019 das Leben dieser bedeutenden Frau des 20. Jhd. aufbereitete. 2019 besuchte die Autorin das erste Mal das Archiv von Gertrude Stein (in den unterirdischen Gewölben der Beinecke Library in Yale). Der Verlag schreibt, Wade arbeitet wie eine „Detektivin“. Picasso’s Malerei wurde früh von Gertrude Stein gesammelt .Als guter Freund malte er ein Portrait von Gertrude Stein. Und ein Schmuckstück auf dem Portrait, könnte durchaus von ihrem größeren Bruder Michael stammen, stellt Wade in einer der vielen Anmerkungen fest. Stein argumentierte im Epilog der Biographie. „ .. dass Detektivgeschichten so befriedigend sind, „weil sie am Ende klar umrissene Lösung bietet…. Im Gegensatz dazu ist es im wahren Leben „interessanter, wenn man die Antwort gar nicht kennt.“

„So sehe ich (Wade, Anm. d.Red.) daher inzwischen Stein und auch Toklas: als komplexe mit Fehlern behaftete, verwirrende, lustige, faszinierende Menschen. Vor allem aber weiß ich, dass ich niemals damit aufhören werde, mich wieder und wieder mit ihren Schriften zuzuwenden, um darin dann neue Wonnen, neue Fragen, neue Blickwinkel auf die Welt zu entdecken.“
Und das ist und bleibt das Spannende an Gertrude Stein.

Die Autorin

Francesca Wade ist eine britische Literaturkritikerin und Biografin. Ihr Debüt, »Square Haunting: Five Women, Freedom and London Between the Wars«, war nominiert für den Baillie Gifford Prize und stand auf der Shortlist für den RSL Ondaatje Prize. Sie war Stipendiatin am Cullman Center der New York Public Library, am Leon Levy Center for Biography sowie am Harvard Radcliffe Institute. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in The New York Review of Books, London Review of Books und Granta veröffentlicht. Francesca Wade lebt und arbeitet in London.

Gertrude Stein –  Ein Nachleben

Francesca Wade, Britta Fietzke (Übersetzung)
Hardcover, mit Schutzumschlag
Mit zahlreichen, alten Alte Fotoaufnahmen
btb Verlag, 624 Seiten
ISBN 978-3-442-76351-1

Artikelfoto: Bild von reinbacher auf Pixabay