Bühnen

Alles auf Anfang – die Spielzeit 2012/13 an der Komischen Oper Berlin

Foto: Gunnar Geller

Genau vor einer Woche: das war eine gelungene Inszenierung, die Vorstellung des neuen Intendanten der Komischen Oper mit      seinem Spielplan. Ein Orlando furioso, eine Symphonie mit vielen Paukenschlägen.

Foto: Gunnar Geller

Paukenschlag 1:  der Chefregisseur und Intendant, Barrie Kosky. Geboren in Melbourne, Ausbildung in Klavier und Musikgeschichte an der Uni, Hinwendung zur Regie. Er lebt und arbeitet heute in Berlin. Großer Jubel bereits 2003 für seine Inszenierung‘ Le Grand Macabre‘ an der Komischen Oper, dann ‚Die Hochzeit des Figaro‘, Glucks ‚Iphigenie auf Tauris‘, ‚Kiss me Kate“, „Rigoletto“ und „Rusalka“. 2012  dann seine großartige und beeindruckende Inszenierung von Kurt Weills „Die sieben Todsünden“.  Da steht er nun vor großer gläserner Foyerwand und präsentiert ein Programm, das es in sich hat. Kosky genießt es, spielt mit sich und den Journalisten, der Körper wirkt wie ein Märchenbuch. Solch eine lockere, leichte, intelligente Programmvorstellung hat Seltenheitswert. Im Pressetext steht etwas Wahres: „Kosky ist das freche Chamäleon unter den Regisseuren“ – wer ihn noch nicht kannte, erlebt hier den nachdrücklichen Beweis, ein wahres Feuerwerk.

Paukenschlag 2: 12 Premieren in der Spielzeit 2012/2013, 5 Regisseure geben ihr Debüt, insgesamt 173 Vorstellungen und 30 Konzerte.

Foto: Gunnar Geller

Paukenschlag 3: die Spielzeit beginnt am 16. September mit einem Riesenevent: an einem Tag sind alle drei vollständig erhaltenen Opern Claudio Monteverdis in der Inszenierung von Kosky zu sehen, in einer musikalischen Bearbeitung der aus Usbekistan stammenden Komponistin Elene Kats-Chernin. 12 Stunden Musiktheater, von 11 Uhr bis 23 Uhr, mit über 200 Künstlern. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Frühstück, „Orpheus“, Lunch und danach „Odysseus“, Abendessen und dann „Poppea“, erfrischender Ausklang. Das klingt vielversprechend, aufregend, ja fast sensationell . Wer nicht alles an einem Tag sehen will, kann Die Monteverdi-Trilogie auch als Einzelvorstellungen im Laufe einer Woche   oder eines Monats genießen. Aber wichtig: Wer früh bucht, spart Geld! Wer Karten für alle drei Monteverdi-Opern bis zum 8. Juli 2012 bucht, spart 30%!

Paukenschlag 4: drei Uraufführungen:  Olga Neuwirths ‚American Lulu‘, eine Auseinandersetzung mit Bergs ‚Lulu‘( 30. September), die neue Kinderoper ‚Ali Baba und die 40 Räuber‘ vom türkischen Komponisten Taner Akyol (28. Oktober) und in Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen Detlev Glanerts  ‚Solaris‘ , nach Stanislaw Lems Roman. Dazu eine tolle Idee: die beiden Solaris Verfilmungen von Tarkowski und Soderberg (19. Mai 2013).

Paukenschlag 4 : das restliche Programm: u.a. der Auftakt eines neuen Mozart-Zyklus mit der ‚Zauberflöte‘ in der Inszenierung von Kosky mit der englischen Theatergruppe ‚1927‘. Der neue Generalmusikdirektor gibt hier seinen Einstand als Opernregisseur, Henrik Nánási.

Paukenschlag 5 . der Chef erinnert vehement an die große Tradition und Geschichte des Hauses auch und gerade im Bereich der Operette:zwei konzertante Premieren: Kálmáns ‚Bajadere‘, Weills ‚Kuhhandel‘ und dann die letzte Premiere der Spielzeit:Abrahams ‚Ball im Savoy‘, übrigens mit der wunderbaren Dagmar Manzel und Helmut Baumann. Regie: der Hausherr. Da sehnt man jetzt schon den 9. Juni 2013 herbei.

Paukenschlag 5: eine Kurt-Weill-Woche, Tschaikowskis selten oder kaum gespieltes Drama ‚Mazeppa‘, Humperdincks ‚Hänsel und Gretel‘, großes Ereignis: Reinhard von der Thannen übernimmt die Ausstattung und führt zum zweiten Mal in seiner Karriere Regie.

Paukenschlag 5: ein kleiner Bruch mit großer Tradition – die sich aber sicher überholt hat – nicht mehr alle Aufführungen gibt es in deutscher Sprache. Bestimmte Stücke erweisen sich eben in Deutsch nicht als besonders klangvoll. Kosky geht das Risiko ein.  Beifall!!

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