Francesca Giannone ist mit Veröffentlichung ihres Debütromans seit 2023 in aller Munde.
Und das nicht nur in Italien, wo sie 2023 den Premio Bancarella gewann, sondern international. Ihr Roman erscheint in 41 Ländern und fasziniert. Das Buch zeigt das Leben einer außergewöhnlichen Frau, Anna, die durch ihre Heirat ihrem Mann vom Norden in den äußersten Süden, in den Stiefel Italiens, folgt.
Anna – die Protagonistin

Skeptisch, ob sie in ihrem neuen Lebensort angenommen wird, die Lebensumstände sich so entwickeln, dass sie glücklich wird, aber… In Lizzanellin, Apulien, lebt es sich anders als in Norditalien. Die Menschen sind durch ihr Tun und die karge Landschaft anders geprägt, Neuem argwöhnisch und erst recht neuen Mitbürgerinnen gegenüber. Der „Fremden“, die Caffe corretto mit Grappa trinkt, Jane Austen liest aber auch Flaubert und Tolstoi, gibt man in der Kleinstadt nicht viel Zeit, sich zu behaupten. Auch Carlos, ihr Mann wußte, „…dass sie nicht nur zur Hausfrau und Mutter gemacht war.“ Anna sucht und findet ihren eigenen Weg. Sie bewirbt sich auf Grund einer Anzeige als Briefträgerin (welch Charakter) und bekommt den Job. Über 20 Jahre trägt sie die Post aus: Telegramme und Briefe von Soldaten an der Front, Ansichtskarten von Emigranten, Mitteilungen von heimlichen Liebhabern und Alltägliches wie Stromrechnungen werden zu Verbindungen der Menschen des kleinen Ortes zur Außenwelt, die sie aufrecht hält.
Eine sehr persönliche Familiengeschichte
Es sind diese Geschichten der Dorfbewohner mit ihren unterschiedlichen Charakteren, die das Buch so persönlich machen. Ob bei ihren Kontakten u.a. mit Antonio, Carlo oder Tommaso, Lorenza, Giovanna oder Maria – Anna ist selbstbewusst und direkt, allen gegenüber. Auch das ist neu in Lizzanell.
Das Buch teilt sich in drei Teile:
Erster Teil: Juni 1934 – Dezember 1938
Zweiter Teil: April 1945 – Juni 1949
Dritter Teil: November 1950 – Mai !952
Bis 1952 gab es das Wort Emanzipation kaum. Aber das Buch zeigt den emanzipatorischen Weg Annas über die Jahre, gegen die Starrheit der Menschen in dem kleinen süditalienischen Dorf. Nicht laut, aber deutlich und klar. Eine Sympathieträgerin, deren Glück und Trauer beschrieben wird. Anna ist stark, behauptet sich als Briefträgerin, arbeitet in der Mühle ihres Mannes mit und engagiert sich auch im Frauenhaus. Sie ist für Andere da, muss sich dann aber letztendlich selbst hinterfragen, welche Gefühle stärker sind, die zu ihrem Mann oder zu seinem Bruder. Diese Auseinandersetzung mit sich selbst macht das Buch so spannend – bis zum Schluss.
Die Autorin Francesca Giannone
Francesca Giannone, aufgewachsen in Süditalien (Salento) studierte Kommunikationswissenschaften an der Filmhochschule. Ihr Debütroman »Die Briefträgerin« wurde ein sensationeller internationaler Erfolg. Er war der bestverkaufte Roman im Jahr 2023, gewann den Premio Bancarella und erscheint in 41 Ländern.

Francesca Giannone
Die Briefträgerin
Originaltitel: La Portalettere;
Übersetzung: Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
Verlag: btb, Klappenbroschur, 512 Seiten,
ISBN: 978-3-442-77615-3
Artikelfoto: Apulien Bild, lavaligiainviaggio auf Pixabay