Hardy’s Gute Stube – ein Landhaus in Berlin


 

Ein Landhaus ist ein Landhaus, ist ein Landhaus. Anders in Berlin – da ist ein Landhaus eigentlich ein Ausflugslokal und das ist fast immer schlecht. Wenn aber eine Gaststätte sich am Rande des vornehmen Grün, am Anfang von Dahlem befindet,am Wilden Eber, dann wird es doch ein Landhaus und noch dazu ein besonders gutes.Seit 1986 wissen das vor allem Stammgäste. Jetzt auch Diplomaten, die nebenan den kleinen Raum im englischen Stil für Meetings nutzen.Dazu eine chice Lounge für kleine Snacks und Drinks.Die „Gute Stube“ ist die gute Seele- Wohnzimmercharakter mit alten Möbeln aus der Jahrhundertwende und dem Biedermeier, die Tische meist alte Küchentische, die Lampen alte Petroleumlampen, die Holztäfelung aus den 20er und 30er Jahren.  Draußen vor der Tür eine kleine wunderschöne Oase, die Terasse, eigentlich fehlt nur ein kleines Flüßchen oder ein kleiner See und die Landhausatmosphäre wäre perfekt. Aber auch so lohnt es sich hier die Seele baumeln zu lassen und dem Gaumen einen entspannten Abend mit Urlaubscharakter zu gönnen. Die Küche, seit 17 Jahren im guten Händchen von Martin Geiger, ist saisonal und regional orientiert. Sensationell, eine täglich wechselnde Karte mit bestimmt 10 Positionen, danebeneine Karte mit klassischen Standards. Eigenkrationen finden sich auf der kleinen Tageskarte, neben traditionellen Gerichten. Entweder wird behutsam verfeinert oder behutsam kreiert. Alles zurückhaltend, elegant, gekonnt, keine kulinarischen Spinnereien oder Anbiederungen an Hochkochkunst oder Avantgarde. Nein, der Boden ist beständig und was geschaffen wird stimmt im Geschmack, zeigt eine gute Preis/Leistungs Relation. Im Tagesangebot zum Beispiel: eine samtig süchtige Spargelcreme mit Büsumer Krabben,ein warmer Kalbskopfsalat, Zander auf Schmorgurken und ein prickelndes Rhabarber Chutney mit Entenbrust. Beim letzten Besuch als Vorspeisen eine Gemüsebrühe mit Ravioli und eine Gurkenkaltschale mit gebeiztem Lachs. Tradition bei der Vorspeise mit einem Matjestatar und Roter Bete, dazu ein Reibeküchlein. Die behutsame Verfeinerung bei einer  Piccata – mal nicht vom Kalb – sondern vom Schweinefilet mit einem Tomatenconcasse, veredelt durch  hausgemachte Tomatenmarmelade. Gelungen, knusprig paniert, das Schwein strotzte nur so vor Eigengeschmack und das Tomatenconcasse ein wunderbarer fruchtiger Akzent. Normal dann wieder  3 Garnelen, perfekt glasig gebraten, Raffinesse  durch einen Cous-Cous-Salat, dem Minze, Tomate und Frühlingszwiebel einen wunderbar pikanten Frischeschub verleihen. Bei den Hauptgerichten wieder  eine Barbarieentenbrust, auf den Punkt gebraten, sanft-saftig rosig auf Zwetschgen mit einem Sellerie-Vanillepürree, gewagt aber gewonnen. Ein Pot au Feu von Lotte, Lachs, Adlerfisch und Muscheln ließ Meeresfrische ertönen, nichts übergart, alles auf dem Punkt, jeder Eigengesmack erhalten, dazu knackig gegartes Gemüse – ein Genuss. Legendär auf der Standardkarte ein Klassiker: das Roastbeef mit Bratkartoffeln. Fast 100 Positionen auf der Weinkarte, Schwerpunkt Deutschland und Europa, kaum Übersee , 60 offene Weine, das bieten nicht einmal Spitzentempel.  Ein hohes Lied auf Thomas Pechmann,dem Inhaber, seit 1997 .  Vor 25 Jahren begann er als Student bei Hardy: sein Job: Aushilfsfahrer von Weinen.  Dann 10 Jahre in der Weinhandlung und als  das Restaurant verkauft werden sollte, schlug er zu. Ein Glücksfall mit der Erkenntnis: ein Landhaus ist eben doch ein Landhaus.


 

Hardy’s Gute Stube

Heiligendammer Strasse 18

14199 Berlin-Dahlem

Tel.:  030 – 823 42 00

geöffnet: Mo-Sa: ab 18.00Uhr

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