Höfe, Heu & Held:innen im Alpbachtal

Für diejenigen, die das Alpbachtal inmitten der Kitzbühler Alpen noch nicht kennen, ist es ein Geheimtipp. 1,5 Stunden von Salzburg und München entfernt, zwischen Kufstein und Innsbruck, taucht man ein in eine Bilderbuchlandschaft. Idyllisch gelegen, grüne Wiesen, sanfte Hänge, malerische Häuser und die Berge ringsum. Neun Orte gehören zur Region Alpbachtal, darunter die kleinste Stadt Österreichs, Rattenberg. Der Ort Alpbach, Namensgeber des Tals, ist ein besonderes Kleinod. Auffällige Hingucker – Dank konsequenter Bauvorschriften – sind die traditionell gebauten Holzhäuser. Damit zeigt sich der Ort ohne langweilig zu wirken, architektonisch geordnet, charmant und liebenswert. Charakteristisch die Blumenbalkone, die jedem Haus eine individuelle Note geben. Der Ort erhielt deshalb den Titel „Schönster Ort Österreichs“ und eine Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs „Schönste Blumendörfer Europas“.  

Qualitätsinitiative „Alpbachtal Q“

Die alpine Region lebt vom Tourismus und der Landwirtschaft. Ca. 200 Bauernhöfe werden allein in Alpbach bewirtschaftet. Und in jedem der Höfe produzieren Held:innen Tag für Tag ihre Produkte, ob Milch, Käse, Fleisch, Wurst oder Schnaps und Kräuter. Für mich sind es Heldi:innen der Region, denn die Arbeit ist hart, oft rund um die Uhr und wetterabhängig. Verschiedentlich reicht das Einkommen durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte allein nicht aus, um den Lebensunterhalt zu begleichen. Also werden zur der Hofarbeit zusätzliche Jobs angenommen und fast „nebenbei“ die Kinder großgezogen.
Umso erfreulicher, dass der Geschäftsführer Wolfgang Kostenzer (M.A.) vom Tourismusverband Alpbachtal zu einer besonderen Pressereise nach Tirol einlud, um die Produzenten der regionalen Hofprodukte sichtbarer zu machen. Im Mittelpunkt standen dabei die Menschen mit der besonderen Qualität ihrer landschaftlichen Produkte im Alpbachtal, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Herkunft, Tierwohl und Biodiversität.
Das Presseevent „Alpbachtal Qriginals“ der Qualitätsinitiative „Alpbachtal Q“ präsentierte Hintergründe „Vom Hof auf den Tisch, zeigte die Menschen hinter den Produkten und deren Betriebe, die mit dem Qualitätssiegel „Alpbach Q“ zertifiziert sind. Diese Menschen bekamen ein Gesicht, öffneten die Türen ihre Betriebe und erzählten ihre ganz persönlichen Geschichten. Und natürlich wurden die Produkte probiert. Letztendlich entstand eine Genusstour, die bestätigte, dass die Qualitätssiegel der Produkte zu Recht erteilt wurden.

Alpenbachtaler Qualitäten: die

Käsemeister Hubert Rendl mit seinem Bergkäse

Da ist z.B. Käsemeister Hubert Rendl aus der Heumilchkäserei Reith. Er ist mit der Lehre in den Beruf reingewachsen und ist jetzt über 40 Jahre im Betrieb. Auf die Entwicklung der Heumilchwirtschaft ist der Käsemeister besonders stolz, entspricht das doch auch einer nachhaltigen Milchproduktion. 65 Bauern aus dem Alpbachtal liefern der Sennerei silofreie Bio-Rohmilch. Das heißt, die Kühe grasen im Sommer auf den Almen und erhalten im Winter Heu, dass für sie auch besser verträglich ist. Alles wird in der Käserei nachvollziehbar behandelt. Sogar die Lieferanten der Bio-Milch sind transparent im Internet veröffentlicht, darunter auch der Pinzgerhof, deren Familie uns später noch begegnet. Das Futter der Tiere, aber auch die kurzen Anfahrtswege- und zeiten der Milch aus der Umgebung bis zur Weiterverarbeitung in Reith, wirken sich natürlich auf Qualität und den Geschmack der Produkte aus. Das bestätigen auch die Kunden im Laden in Reith, wie z.B. Anne, die ihren Frischmilchkauf in ihre mitgebrachten Flaschen abfüllen ließ. Die verschiedenen, hier erzeugten Lebensmittel finden online und in der Region dankbaren Absatz, wie z.B. im Alpbacherhof.
Das Angebot der hochqualitativen Heumilchprodukte ist vielfältig, von der Milch, über Joghurt und Butter bis zu den verschiedensten Käsesorten, wie Alpbachtaler Bierkäse, Bergkäse und Bärlauch- und Trüffelkäse. „Mein Lieblingskäse ist unser Hornkäse mit seinem kräftig-würzigen Aroma“, favorisiert Hubert Rendl seinen persönlichen Spitzenreiter.  Vom Acker bis zum Teller

Alpenbachtaler Qualitäten: Speck und Wurst vom Holzingerhof

Wer in Tirol eine Jause z.B. beim Wandern einlegt (Zwischenmahlzeit, wie Brotzeit), wird in der Regel auf ein Jausenbrett zurückgreifen, mit deftigem Speck, Wurst, Käse und Brot. Viellicht genießen Sie dabei Speck oder Wurst vom Holzingerhof? Bei Annemarie und Peter Moser aus dem Alpbachtal kann man genau verfolgen, wie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Produkte „vom Hof auf den Tisch“ gelangen.

Ihre Schweinehaltung anzusehen macht regelrecht Spaß, da man sieht, wie wohl sich die Tiere fühlen. Auf 1.150m Höhe betreibt die Familie ihr Familienunternehmen, halten hier ihre Tiere tiergerecht, verarbeiten Wurst und Fleisch auf dem Hof und vermarken die Wurst- und Fleischprodukte direkt.
Schon von weitem nimmt man den Geruch von frisch Geräuchertem und Getrocknetem wahr: Speck von Schulter oder Bauch, Ossokollo oder Stangenwurst – alles qualitativ hochwertige Lebensmittel. Hier dürfen auf dem Hof Hausschlachtungen durchführt werden, die besonderen Genehmigungen liegen vor.

Peters Eltern übergaben den Familienbetrieb an Annemarie und Peter und als Nachfolge steht bereits der Sohn, gelernter Schlachter, bereit. Er kennt die Routine des bäuerlichen Alltags von Kindheit an und hat sich auf seine Zukunft mit dem Besuch der Landwirtschaftsschule fünf Jahre lang vorbereitet. Es ist bereits eine generationsübergreifende Zusammenarbeit mit den Eltern, um die komplexen Abläufe auf dem Holzinger Hof zu managen.

Kräuter und Heilpflanzen

Eindrucksvoll präsentiert sich der Hildegard-von-Bingen-Garten in Reith. Der nach den Unterlagen der Benediktinerin Hildegard von Bingen konzipierte Garten, präsentiert prachtvoll 80 verschieden Kräuter und Heilpflanzen.

Wer trotzdem eine persönliche Führung wünscht, ist bei Maria Schellhorn und Christel Steller gut aufgehoben. Sie arbeiten hier ehrenamtlich und geben bereitwillig Auskunft und erklären die Wirkung der verschiedenen Heilpflanzen.

„Duftende Rosenblätter verstärkt übrigens jedes Heilmittel“, verrät beim Gartenrundgang nebenbei Maria Schellhorn. Kräuterworkshops hier im Garten sind ebenso nachgefragt, wie Fastenkuren mit Fastenbegleitung.

Alpenbachtaler Qualitäten: Edelbrände & co

Die Heumilchkäserei bezieht u.a. vom Pinzgerhof die Bio Rohmilch. Der Hof arbeitet als Familienunternehmen mit Zimmervermietung, als Gasthof und einer Schaubrennerei. Günther Kammerlander ist der Verantwortliche für das Hochprozentige und produziert und vertreibt qualitativ hochwertige Obstbrände, Geiste und Liköre.

Zum Einsatz kommen regionale Rohstoffe wie Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Vogelbeeren aber auch Kräuter aus der Umgebung oder aus seinem eigenen Garten. Handwerklich alles exzellent und professionell verarbeitet. „Die Marille kaufe ich aus der Wachau zu, weil unser Marille Edelbrand sehr begehrt ist“. Günther Kammerlander „brennt aus Leidenschaft“ und ist ausgebildeter Tiroler Edelbrand Sommelier. Seine vielzähligen Auszeichnungen sprechen für ihn und sein eigener destillierter hochwertiger Rum und Gin für seine Kreativität.

Tourismusregion Alpbachtal

Diese kleine, ausgewählte Hoftour zeigt die Menschen im Alpbachtal mit ihren Familien, Produkten und Geschichten nur beispielhaft. Und dabei gäbe es sicher noch viel mehr zu erzählen, denn zum Alpbachtal gehören neun Orte: Alpbach, Brandenberg, Brixlegg, Kramsach, Kundl, Münster, Radfeld, Rattenberg, Reith im Alpbachtal. Ein so großer Vorteil der Region, dass egal – ob im Sommer oder Winter – mit der Alpbachtal Card nicht nur die Orte mit den Regiobussen kostenfrei erreichbar sind, sondern auch ausgewählte Bahnen und Lifte, Eintritte in Museen oder Bäder der Region (Gäste erhalten die Alpbachtal Card direkt bei der Anreise und ab der ersten Übernachtung).

Und was bietet sich da alles an touristischen Möglichkeiten an zu erkunden: ca. 900 km Wanderwege, Berge und Bergseen, Klamms, wie die Tiefenbachklamm, das Museum Tiroler Bauernhöfe und der Skulpturenpark in Kramsach, 114 Pistenkilometer im Winter, und, und, und….
Ein besonderes schmackhaftes Highlight des Alpbachtals, die Kulinarik, die Köstlichkeiten, die Schmankerln feiern wir in einem anderen Beitrag.  

Alpbachtal Tourismus,
Zentrum 1, A 6233 Kramsach,
www.alpbachtal.at, Tel. 0043 5337 21200 11

Die europaweite Initiative.„Vom Hof auf den Tisch“.

Artikelfoto: Blick vom Oberhaslachhof, alle Fotos der Seite: eub

Die Reise fand auf Einladung des Alpbach Tourismus statt, spiegelt aber die persönliche Meinung der Autorin wieder.