Am vierten Januarwochenende in diesem Jahr hatte der Winter die Stadt noch voll im Griff und pustete eisige Luft durch die Straßen. Davon ließen sich aber die Liebhaber der Trüffel nicht abhalten und kamen in den Festsaal Kreuzberg, um die braune Knolle bei einem Festival zu feiern. Eigentlich war es eine Feier zweier Trüffelwelten: Der aromatischen Gourmet-Trüffel und der verführerischen Schokoladen-Trüffel, und so nannte sich die Veranstaltung von True Italian Authentic Food auch Truffle & Truffle Festival.
Im Innen- und Außenbereich gab es Leckeres zu essen und zu trinken und vor allem zu Probieren. Für alle die, die noch nicht zu Fans der Trüffel gehörten, konnten sich mit der Vielfalt der Geschmacksrichtungen und Verarbeitungsmöglichkeiten bekannt machen bei Verkostungen und Vorträgen zur Kunst des Trüffels. Speziell für die Medien gab es eine exklusive Masterclass von Viani, die in die Geschichte des Trüffels einführte und die verschiedenen Produkte des Herstellers Tartufi Ponzio vorstellte – auch zum Kosten.

Im Festsaal hatten zahlreiche Anbieter ihre Stände aufgebaut, an denen die Trüffel auf die vielfältigste Art und Weise verarbeitet wurde. Als erstes natürlich als Öl und Pesto. Bei Viani viel die Wahl schwer zwischen Pesto aus Pistazien und Sommertrüffel, Pilzsauce mit Sommertrüffeln oder Akazienhonig mit weißem Trüffel. Oder doch lieber das native Olivenöl extra mit weißem Trüffel? Die reine, unverarbeitete Knolle präsentierte Tartufo del Re – schwarze Wintertrüffel.

Bei Dolci & Salati wurden herzhafte Croissants mit Trüffelcreme und Birnen-Cheesecake mit Trüffelhonig angeboten, bei Chao She gab es Hähnchenspieße mit schwarzer Trüffelsauce, Orlando Sicilian Food & Wine of Happiness servierten Palermitanische Muffolette gefüllt mit Trüffel-Mortadella und bei der Focacceria San Francesco fanden die verschiedenen Sorten, mit Trüffel verfeinert, reißenden Absatz. Wer sich nicht so richtig mit dem Geschmack der Trüffel anfreunden konnte, fand bei Olio Costa eine große Auswahl an reinem Olivenöl und Balsamico.

Die nicht besonders appetitlich aussehende Trüffel lässt sich aber auch in süßen Speisen hervorragend verarbeiten. Bei B-Iced lockten Pralinen mit Trüffeln und Schoko-Kuchen mit Trüffeln und bei Das süße Leben die Schokoladen-Trüffel. Auch Brigaderia Sgarbi die Trüffelpraline neben anderen Geschmacksrichtungen im Angebot. Exotisch wurde es bei Daifuku Mochi, die den traditionellen Reiskuchen mit Milchschokolade, frischer Sahne und Trüffelöl gefüllt hatten.

Natürlich darf da auch Eis nicht fehlen. Die SchokoLadenEis Manufaktur hat eine Schokoladen-Trüffel im Sortiment, beim Duo Sicilian Ice Cream konnte man Pecorino- und Trüffeleis schlecken. Selbst Popcorn gab es mit Trüffelgeschmack, von der Firma Knalle. Dazu konnte man Trüffle-Cocktails an der Buffalo Trace Bar genießen oder auch Wein und Espresso an anderen Ständen.

Auf dem Außengelände war es zwar kühler, die frisch gekochten oder gebackenen Gerichte wärmten aber schnell von innen: die Eier-Tagliolini mit Trüffelcreme und frischem Trüffel von Mani in Pasta, die vegane Pasta mit Steinpilzfondue und Trüffel, der Seeteufel mit Trüffel von La Sirena Negra, die Pizza Trüffel-Stracciatella von Spaccanapoli Nr. 12, die Panzerotti mit Salsiccia, Pilzen, Trüffelöl und Mozzarella, die Empanada gefüllt mit Trüffelkäse und Kartoffelpüree von Krunsch Arepas, die Arrosticini mit Trüffelcreme von Isola Italia und die Fish and Chips mit Trüffelmayo vom Soulty Food Club.
Kleine Trüffelkunde
Unter Trüffel versteht man eine Vielzahl knolliger, meist unterirdisch wachsender Pilze. Darunter sind sowohl „echte“ als auch „falsche“ Trüffel. Früher Bestandteil der ländlichen Küche ist sie heute Inbegriff der Haute Cuisine. Interessanterweise ist das deutsche Wort Kartoffel von Tartufo abgeleitet, dem italienischen Wort für Trüffel. Warum aus dem T ein K wurde, ist bis heute unklar.
Die echten Trüffel gehören zu den echten Schlauchpilzen, sie gehen eine Verbindung mit den Feinwurzeln ihrer Wirtspflanzen ein, in der Regel Laubbäume. Mit beiderseitigem Nutzen: Die Wirtspflanze erhält Mineralsalze und Wasser, die Trüffel werden mit Photosyntheseprodukten versorgt. Ein wichtiger Faktor für das Wachstum von Trüffeln ist der pH-Wert des Bodens. Die meisten Trüffelarten bevorzugen pH-Werte im alkalischen Bereich. Trüffel sind in der gesamten Welt verbreitet, die weltweit größten Trüffelproduzenten sind Frankreich und Neuseeland. Zu den Trüffelarten der Gattung Tuber gehören u. a. die (Schwarze) Perigord-Trüffel, die Weiße Albatrüffel oder (Weiße) Piemont-Trüffel, die Sommer-Trüffel, die (Schwarze) Wintertrüffel und die (Weiße) Märztrüffel.
Die Griechen und Römern schätzten die Trüffel als Aphrodisiakum, was aber medizinisch nicht belegt ist. Das galt auch noch im frühen Mittelalter, bis sie im Hochmittelalter zum Inbegriff der Sünde wurde. In der Renaissance hingegen fehlte sie auf keiner vornehmen Tafel.
Früher wurden Trüffeln mit Trüffelschweinen gesucht. Allerdings richten die Tiere beim Ausgraben überwiegend großen Schaden an und fressen die Trüffel auch noch gerne. Heute geschieht das mit speziell abgerichteten Trüffelhunden. Anders als Schweine graben sie keine halbreifen Trüffeln aus und lassen sich die Beute auch einfacher abnehmen.
1999 wurde in der westkroatischen Region Istrien die bis dahin größte bekannte Trüffel gefunden. Die weiße Trüffel wog 1,31 kg. Eine noch etwas größere Trüffel mit 1,483 Kilogramm wurde im November 2014 in der Nähe von Bologna gefunden.
Die Trüffel ist der teuerste Speisepilz: Ein Kilogramm weiße Trüffel kostet bis zu 9.000 Euro, in Japan bis 15.000 Euro. Der Preis der weißen Trüffel variiert stark, abhängig vom Vorkommen und der Nachfrage. Je nach Witterung und Klima gibt es „bessere“ und „schlechtere“ Trüffeljahre. Die Größe und die Form der Trüffel hat ebenfalls Einfluss auf den Preis: Eine runde Trüffel besitzt im Verhältnis zum Volumen weniger Oberfläche als eine anders geformte. Eine „normale Portion“ Trüffel für zwei Personen (ca. 20–25 Gramm) kostet zwischen 40 und 60 Euro. Das lockt auch Betrüger an. Der häufigste und lukrativste Betrug bei Trüffel ist der Handel mit China-Trüffeln. Sie sind optisch kaum von den Hochwertigen zu unterscheiden, selbst aber kulinarisch gesehen wertlos. Um das zu verhindern, hat beispielsweise die Universität Turin an einem DNA-Test gearbeitet.
2021 wurde die Trüffeljagd und -gewinnung in Italien, das Wissen und die Praxis von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Der spanische Maler Salvador Dalí soll ein Trüffeleis kreiert haben: eine große Kugel Vanilleeis mit eingesteckten Trüffelstiften. Den wahrscheinlich teuersten Burger der Welt gab es in New York. Er kostete 175 USD und enthielt neben reichlich schwarzer Trüffel auch Pastete vom Kobe Beef, Foie gras und Blattgold.
Quelle: Wikipedia