„An die Substanz“ – zum Bauhausjubiläum

Es ist nun seit 1925 über 100 Jahre her, dass das Staatliche Bauhaus von Weimar nach Dessau zog. Grund genug für die Stadt Dessau als Zentrum der modernen Architektur und Kunst, das Jubiläum auch noch 2026 zu begehen. Gefeiert wird unter dem Motto „An die Substanz“ / „To the Core“ bis Ende 2026 mit einem vielfältigen Programm an den Bauhaus-Traditionsorten wie an dem Bauhausgebäude, dem Bauhaus Museum Dessau und den Meisterhäusern.  Zusätzlich gehören Ausstellungen, künstlerische Performances, Workshops, und Stadtführungen zum Jubiläumsprogramm.

Es verspricht ein spannendes, weiteres Jubiläumsjahr zu werden. Das Anhaltische Theater Dessau zeigt zu Ende Januar des Jahres den beeindruckenden Tanzabend „Valses / Der Grüne Tisch“ (Choreografien von Stefano Giannetti (UA) und Kurt Jooss).

„Der Grüne Tisch“ greift thematisch unsere Zeit auf und zeigt tänzerisch unverkennbar Einflüsse von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett die klare Formensprache des Bauhauses und die Konzentration auf das Wesentliche durch reduzierte Bewegungen und Figuren

Das Bauhaus Ensemble
Bauhausgebäude

Oskar Schlemmer und sein weltbekanntes Triadisches Ballett begegnet uns mehrfach auf unserer Inforeise durch Dessau. Zum Thema „Ikonen der Moderne und Alten Meister – 100 Jahre Bauhaus und Weltkulturerbe in Dessau Roßlau“ lud die Tourist-Information Dessau ein. Dabei waren das im Zentrum der Stadt ruhig gelegene Radisson Fürst Leopold Hotel und ihre Direktorin Claudia Schwalenberg vorzügliche Gastgeber für erholsamen Schlaf und gutes Essen.
Sarah Koch von der Tourist-Information Dessau präsentierte als Reiseleiterin drei Tage international bekannten Highlights und bemerkenswerte Kleinode der Bauhaus Stadt.  

Schwerpunkte waren dabei entsprechend des Jubiläumsjahres die Bauhaus-Traditionsorte wie das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser.und das Bauhaus Museum Dessau.
Das Bauhausgebäude von Walter Gropius (1925/26), als Schulgebäude des Staatlichen Bauhauses und Kunstgewerbe- und Handwerkerschule neu in Dessau gebaut, gilt als Beispiel für die moderne Entwicklung der Architektur. Stahl, Glas und Beton waren Gropius Hauptbauelemente und damit wegweisend für die Entwicklung der modernen Architektur.

Bauhaus Bühne

Das Bauhaus gliederte er in mehrere Bereiche und zwischen Werkstätten und Atelierhaus befanden sich Bühne, Mensa und Aula des Bauhauses. Schlemmer leitete die Bauhaus Bühne und hier entstanden auch seine zukunftsweisenden Bauhaustänze und eine Neuauflage des Triadischen Balletts zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit.

Das Haus selbst wird von Gropius durch großzügige Räumlichkeiten, Transparenz und Funktionalität geprägt. In den Werkstätten entstehen durch hochmotivierte Schüler Produkte (Wagenknecht Lampe, Stahlrohrmöbeln von Marcel Breuer), die noch heute in ihrer Funktionalität einmalig sind. Auf Grund der mangelnden Wohnungssituation, Dessau wuchs als Industriestandort durch die Maschinen- und Flugzeugwerke von Hugo Junkers, entwickelte Gropius Prototypen, industriell vorgefertigter Bauelemente. Damit setzte er als Visionär auf zukünftige Bauformen, die er auch mit der Siedlung Törten, den Laubenganghäusern und den Hochhäusern in Dessau umsetzte.

Die Meisterhäuser

Ein dominierendes Element der Bauhäusler in der künstlerischen Arbeit und Architektur sind Farben. Ebenso wie im Bauhaus, z.B. im Direktorenzimmer von Walter Gropius, findet man die besondere Farbgestaltung auch in den Meisterhäusern, die ebenfalls 1925/26 gebaut und von Walter Gropius entworfen wurden.

Bewohnt haben er als Direktor eins der Häuser und in den drei Doppelhäusern die Bauhausmeister László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche und Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Auch hier spürt man nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten der Häuser und Neuinterpretationen das Lebendgefühl seiner Macher und Bewohner.

Treppenaufgang im Kandinsky Haus

Die Trinkhalle, das Arbeitsamt, die Ausflugsgaststätte an der Elbe, das Kornhaus, alles ebenfalls architektonische Vertreter der Klassischen Moderne in Dessau sind ideal erreichbar und wie viele Sehenswürdigkeiten durch thematisch gut strukturierte Tafeln informativ dargestellt.

Das Bauhausmuseum

Ein sehr großer Vorteil in Dessau ist die fußläufige Erreichbarkeit aller Ensembles. Das Bauhaus Museum ist ein must see für alle Bauhaus Begeisterten. Es steht an zentrale, disponierter Stelle der Stadt und seit der Eröffnung 2019 durch die damalige Bundeskanzlerin Angele Merkel wurde es zu einem weiteren Magneten der Stadt. Auf einer Ausstellungsfläche von 2100 Quadratmetern konzentriert sich das Museum auf die Geschichte und ausgewählte Exponate des Bauhauses.

Es ist mit 49.000 Objekten die weltweit zweitgrößte Sammlung zum Thema Bauhaus, und so werden u.a.die Kostüme Oskar Schlemmers Triadischem Ballett, originale Designprodukte aus den Werkstätten, wie Möbel von Ludwig Mies van der Rohe und Marcel Breuer und Geschirr von Marianne Brandt. sowie Zeichnungen und Graphiken von Walter Gropius und Walter Meyer (Bauhaus Direktor nach Gropius). Der Tipp: Für einen Besuch sollte unbedingt etwas mehr Zeit eingeplant werden, da jedes originale Produkt die Faszination ausübt, welche hervorragenden Ideen die Bauhäusler in ihren Werkstätten umsetzten.


Und wer dann wirklich Lust auf ein eigenes Produkt á la Bauhaus für sein Zuhause hat, wird in dem Shop des Hauses garantiert fündig z.B. mit Re-editionen des Rowac-Schemel im industriellen Bauhaus-Design, mit Kissen im Textildesign nach Gunta Stölzl oder dem Tecta D4 Sessel von Marcel Breuer, der übrigens im Original auch zur ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) New York.gehört ( v.l.n.r.).

Kulturelles Highlight in der Umgebung – Gartenreich Dessau-Wörlitz Schlösser & Gärten

„Dessau als Stadt und seine Umgebung bieten zusätzlich zu den drei UNESCO-Welterbe Bauten (Bauhaus, Meisterhäuser, Laubenganghäuser) Bauhaus eine Vielzahl weiterer sehenswerter kultureller Einrichtungen“, betont Sarah Koch. Da laden spezielle Museen (Technikmuseum „Hugo Junkers“, Kurt-Weill-Zentrum), Galerien (Anhaltische Gemäldegalerie Dessau), Theater (Anhaltinisches Theater Dessau, Burgtheatersommer) und viel Natur zum Besichtigen und Bummel ein.

Schloss Oranienbaum gartenseitig

Die Gartenreiche Dessau-Wörlitz Schlösser & Gärten mit den Schlössern und Schlossparks Wörlitz, Oranienbaum, Luisium und Mosigkau präsentieren sich regelrecht als Kleinode. Zu verdanken sind sie vor allem vorwiegend Leopold III. Friedrich Franz Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau (1740-1817). Er war der Wegbereiter für das jetzt anerkannte Gesamtkunstwerk UNESCO Welterbestätten.

Georgium und Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

In der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, im Schloss Georgien, übrigens sehr gut erreichbar zwischen Bauhausgebäude und den Meisterhäusern, sahen wir Alter Meister Sachsen-Anhalts, der Reformation, aus dem Barock und der Goethezeit. Bewundernswerte   Exponate vom 15. Jhd. (Lucas Cranach d. Ä.), 16.Jhd. (Peter Paul Rubens) bis zur Gegenwart mit Max Slevogt oder Fritz Winter (Bauhausschüler).

Ruben Rebmann, Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, organisiert zusätzlich bedeutende Sonderausstellungen in der dazugehörigen Orangerie. Im letzten Jahr war die eindrucksvolle Ausstellung von Tony Cragg „Points of View“ zu sehen.

Alles Sachsen Anhaltisch: Food und Bauhaus Bier

Kennen Sie denn Dessauer Buchteln? Zu einem Besuch in Dessau, der auch vor Ort mit Tipps der Tourist-Information Dessau per Rad stattfinden kann, gehört natürlich auch der Genuss der regionalen Küche. Und die Dessauer Buchteln (luftiges Hefegebäck) gehören dazu, gereicht mit Vanillesoße und heißen Kirschen. Im Brauhaus Dessau „Zum alten Dessauer“ stehen die Buchteln ebenso wie der Brauhaus Klassiker, Schweinebraten in Biersauce mit Dessauer Sauerkraut.

Jedoch was wäre ein Brauhaus ohne Bier. Selbstgebraut ist es vor Ort um so schmackhafter. Zum Jubiläumsjahr, unter dem Motto „An die Substanz“ brauten die „alten Dessauer“ ein Bauhaus-Spezialbier mit drei ausgewählten Gerstenmalzen. Das Urteil der Bierfans der Informationsreise: fruchtig mit etwas Süße, perfekt.
Das limitierte Flaschenbier kann man noch in einigen anderen Restaurants Dessau’s genießen, die ebenfalls auf einem Städtetripp zu empfehlen sind. Zur Entspannung nach einem Besuch im Bauhaus bietet sich das Café-Bistro im Bauhaus für einen Stopp an. In der ehemaligen Mensa, wo Studenten und Touristen Bauhaus Flair atmen, schmecken ein Bauhaus Bier und eine kleine Spezialität noch einmal besonders.
Wer einen längeren Spaziergang nicht scheut und in der Natur mit Elbblick Bauhausatmosphäre mit ausgewählten Speisen und Bauhaus genießen möchte, der ist im Kornhaus genau richtig. Im Kornhaus, das vom Architekten Carl Fieger erbaut wurde, treffen gastronomisches und architektonisches Erlebnis aufeinander. Und vor allem die einmalige Aussicht nicht zu vergessen. (Gut erreichbar auch mit dem Bus oder dem Auto.)
Zu einer kulinarischen oder süßen Auszeit, auch das „Teehäuschen“, verführen eine Vielzahl von Restaurants, Gaststätten und Cafés in Dessau und im Dessau- Wörlitz Gartenreich.

Und dann nicht zu vergessen, die Einladung zu den 100 Tischen im September 2026 in Dessau. Anlässlich des 100jährige Bauhaus-Jubiläums wird zusätzlich zu den Ausstellungen und Veranstaltungenvon den Dessauern eine Festtafel im Stadtzentrum gestaltet. 100 gedeckte Tische laden dann zu gemeinsamen Gesprächen und zum gemeinsamen Essen ein.
Als gastfreundliche Stadt – ganz im Sinne der Bauhäusler.

Weitere Informationen: Stiftung Bauhaus, Tourist Information Dessau

Titelfoto: Bauhausgebäude, alle Fotos der Seite: gab