Ein Club und seine Macher – der Robinsonclub Quinta da Ria in Portugal

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Flirrende, flimmernde Sonne. Verspielte Reflexe am Horizont. Ende August, ein Hoch auf die Hitze. 35° im Schatten verwirren die Sinne, zaubern eine Fata Morgana an den Horizont. Ein schmaler, weißer Strich, davor ein blauer Teppich . Eine Landschaft zum Träumen, zum Verlieben, zum Genießen. Die Auflösung: Sand, Sand, Sand – ein Strand von kilometerlanger Länge. Schön, sauber, weiß – gelb. Menschen, konzentriert nur an wenigen Punkten. Sonst ein Hauch und ein Rausch von faszinierender Natur. Der Mensch, ein kleiner Punkt – die Hauptdarsteller: Licht, Sonne, Farben, Wasser und Möwen. Playa da Quinta- kompliziert zugänglich, waten durchs Watt bei Ebbe  oder sanftes Wellenwiegen in kleinem Boot bei Flut. Kleine Mühen mit großer Wirkung – Robinson wird zum Alltag, erlebte Geschichte und Philosophie.

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 Treffpunkt zweier Parallelen, die eigentlich nie zusammenkommen. Tourismus und Naturschutz. Der Robinsonclub Quinta da Ria und die unter Naturschutz stehende Lagunenlandschaft zwischen Faro und Cacela Velha. Der Clubdirektor ‚Olli‘ Oltrogge ist mit mir der Meinung, dass Tourismus im Naturschutzgebiet eigentlich bedeuten könnte: den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Verträglichkeit aber tritt ein, wenn die sehr hohen Umweltauflagen erfüllt werden, wenn das Unternehmen selbst mit einem immens hohen Umweltanspruch an ein solches Projekt herangeht, durch hohe Umweltaktionen Maßstäbe setzt. Einvernehmen zwischen den Planern und Machern und den politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen. Gelebte und erlebte Harmonie zwischen nachhaltigem Tourismus und Förderung einer strukturschwachen Region. Schaffung von Arbeitsplätzen, Arbeitgeber nicht nur im direkten Clubbereich, sondern auch Förderung und Sicherung der regionalen Produzenten und Lieferanten. Ein Kreislauf funktioniert zwischen Wertigkeit, Nachhaltigkeit und Image. Der Club im Naturschutz auch als Wegbereiter beim reduzierten Wasserverbrauch, bei der Reduktion von Stromverbrauch, der Aufrüstung von Solaranlagen, einer effizienten Mülltrennung. Die Natur lebt ohne nachhaltige Schäden. Die Sanddünen als langgestreckte Inseln mit eigenwilliger Vegetation sonnen sich behaglich, eine Lagunenlandschaft, die sich ständig verändert durch Brandung, Ebbe und Flut. Nach Meinung von Meeresbiologen reproduzieren sich bis zu 80% der Fische des Nordatlantiks. Schutzbereiche schonen die Vegetation, sind Brutstätten der Seevögel. Queller- und Seegrasflächen, trockengefallene Sandbänke, Priele und Senken, die Deiche der Salinen- alles Heimat für Krabben, Muscheln und Schnecken, Garnelen, Steinkrebse, Kormorane, Kraniche Reiher und Flamingos.

Da ist es wieder das Bild der flirrenden Hitze, des verschwommenen Horizonts, wie bei einer japanischen Tuschezeichnung. Begegnung mit einer Naturschönheit und einem Lebensraum von unschätzbarem ökologischem Wert.

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Der Clubdirektor

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Das Bild spricht Bände, gestellt, aber voller Ausdruck. Gebündelte Energie, Lebensfreude.  Ein Clubdirektor voller Temperament, ein wichtiger Spaßfaktor für stressgeplagte Urlaubsgänger. Einfach abheben, schwerelos, alles hinter sich lassen. Seit dem 1 Juli 2011 ist Dr. Andreas Oltrogge,  ‚Olli‘ Oltrogge, jetzt Chef im Quinta da Ria. Sein Leben kennt eigentlich nur Robinson, nach dem Studium und der Dissertation ein Leben mit und für Robinson – in Italien, Tunesien, Sri Lanka, Kenia, Türkei, Griechenland, Fuerteventura. Und jetzt Portugal. ‚Olli‘ betont sehr nachdrücklich, dass alle Clubs große Unterschiede aufweisen, jeder Club hat wie in der Bundesliga seine Fans, die immer wieder kommen, Gesicht und Inhalt eines Clubs definieren. Die letzte Begegnung Fuerteventura war die Begegnung mit vielen Singles, Party, Feiern, ‚volle Kanne‘. Hier in Portugal geht es familiärer zu, hier residiert der Golfer, der Genussmensch, keine Hektik, sondern genussvolle Ruhe und Entspannung.  Der Herr über 500 Gäste und 300 Angestellte kennt keine Erschöpfung, trotz eines immens langen Arbeitstages, meist von 6. 15 Uhr bis Mitternacht. Oltrogge fühlt sich in einem so guten Rhythmus, dass er keine Erschöpfung kennt, Kräfteeinteilung auf Hochleistungsniveau. Sport kurz vor 6.30Uhr, eine Stunde im Fitnessstudio, das macht ihn wach, hilft, den Tag im Kopf zu strukturieren. Eine Stunde für sich, alle Prioritäten werden gesetzt, das Wesentliche des Tages einprogrammiert. Sport und Entspannung helfen dabei, dazu spektakuläre Sonnenaufgänge überm Golfplatz. Kurz nach 8.00 Uhr im Büro, erste Schreibarbeiten, Unterschriften. Um 9Uhr die kleine Runde Bilanz der Abendveranstaltung und einer ‚Spaßaktion‘, ein Polizeieinsatz, der recht echt wirkt, bei den Gästen gut ankommt. Gute Theatershow, Lob und Freude. Diskussion um ein paar spezielle Tische auf der Terrasse, ein extra Wine und Dining, hier sieht und isst man in der ersten Reihe am besten. In anderen Clubs läuft das hervorragend –  also braucht es auch Quinta da Ria. Bürokratischer Alltag: Shuttle Zeiten zum Meer, Austausch der alten Und leicht verschlissenen Handtücher, Präsentation der Bilder der Woche, technische Probleme und der Hilferuf: wo kriegen wir Wunderkerzen für die dunklen Abende her. Fast 30  Minuten sind vergangen, als Einzelproblem bleibt noch die Deko für Silvester.  Hier wird ‚Olli‘ energisch:‘ ich will damit nichts zu tun haben, Deko ist für mich ein Greul, Deko und Hemdenbügeln!‘   Sprachs, beendet die Sitzung, der Alltag hat ihn wieder: Frühstücksrunde durchs Restaurant, Einzelgespräche über den Monatsabschluss, Kochen im Restaurant, heute die Salataktion, nach Hause, duschen, umziehen, Nachmittagsaktionen, Proben. 45 Minuten Zeit für die Familie, dann der Galaabend

Showansage, kurz vor Mitternacht noch ein Plausch mit den Gästen ein Glas Sekt – dann ist Feierabend. Und am nächsten Tag, the same procedure , und täglich grüßt das Murmeltier. Oltrogges Erfolgsgeheimnis: Fitness, Sport auf hohem Leistungsniveau , sehr gesunde Ernährung, wenig Alkohol, einfach ein diszipliniertes Leben, sehr strukturiert. Bleibt die Frage und die Erkenntnis, ob das noch ein lebenswertes Leben ist? Keine Frage für Dr. Oltrogge:‘ Ja, ja sehr. Das ist Leben. Ich mach das total gern. Gerade auch die Teamarbeit, das ist das Größte‘  Kein Zweifel, der Besucher glaubt es ihm.   Wieder Sprung in den portugiesischen Sommerhimmel – und täglich grüßt das Murmeltier.

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Der Food and Bavarage Manager

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Ein offenes, nachhaltiges Gesicht, freundlich, nachdenklich, leicht verschmitzt. Thomas Lehmann, Spitzname ‚Icke‘, lacht dreimal kurz und kräftig, als ich ihn darauf anspreche. Starkes Selbstbewusstsein, sehr überzogenes Ego oder Berliner. Er steuert eine vierte Variante bei: „Ich hab gedacht, ich kann so gut Fußball spielen, wie Thomas Hässler.“ Des Rätsels Lösung: er kommt aus der Nähe von Berlin, studiert in Süddeutschland und bekommt wegen seines Dialekts den Spitznamen ‚Icke‘. Durch einen Studienfreund kommt er dann zu Robinson und hat auch hier sofort seinen Spitznamen als Markenzeichen. Eigentlich ein toller Job,  Verantwortung für Essen und Trinken, Leben wie eine Made im Speck, eine Lebensqualität, um die ihn manch einer sicher  beneidet. Hart hat er dafür gearbeitet, viel Disziplin, Studium, Ausbildung in der Hotellerie, Wirken im gastronomischen Bereich. Dann der Sprung zu Robinson, erst in der Administration, das aber erfüllt ihn nicht, ‚Icke‘ braucht den Kontakt zu den Menschen, durch Chef ‚Olli‘ kommt er in die richtige Schiene, schafft den Sprung an die Spitze der Essen-und-Trinken-Riege. Heute sieht er sich schon als Querdenker, das ist für ihn wichtig, weil man sonst nur auf einen Bereich fixiert ist. Food and Beverage  ist in der Verantwortung eigentlich leicht irreführend, Service und Beverage, ja. Food, nein: die Entscheidungsgewalt liegt hier beim Küchenchef, beeinflussen kann er schon, aber nicht entscheiden. Das Team aber funktioniert auch hier im Zusammenspiel hervorragend.  Allerdings bleibt noch genug in der Eigenverantwortung: Getränkeauswahl und- einkauf, der ganze Personalbereich, Kalkulation der Einkäufe, der gesamte Servicebereich, der Materialeinkauf, also Gläser, Besteck, Teller, die Gestaltung der Essensbereiche in Absprache mit dem Clubdirektor. Und immer das Damoklesschwert der Wirtschaftlichkeit.  Stolz ist er zu Recht auf einen ausgezeichneten Service. ‚Eigentlich‘, sagt er, ‚wollen Kellner ja im a la carte Geschäft arbeiten, das ist natürlich anspruchsvoller, interessanter‘. Der gute Name des Clubs, die tolle Lage, der hohe Freizeitwert, all das ist ein wirksamer Magnet.  Verblüffend ist neben der hohen Qualität der Speisen auch die gute Qualität der  ‚inklusive- Tischweine‘. Früher waren da doch Qualitätsmängel festzustellen, Weine wurden über riesige Produktionsstrassen hergestellt, was zählte war der Preis. Jetzt dominiert der Geschmack, auf vielen Flaschen steht der Traubenname und nicht nur ein undefinierbares Cuvee. Das Prinzip ‚Icke‘ funktioniert, das Querdenken als Voraussetzung für Reibungslosigkeit.

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Der Küchenchef

‚Wenn ich gut gessen habe, ist meine Seele stark und unerschütterlich, daran kann auch der schwerste Schicksalsschlag nichts ändern.“   Molière

 

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Der Mann wirkt ausgeglichen, zufrieden, ruht in sich. Stress ist für ihn ein Fremdwort. ‚Ich lass mich nicht stressen‘- seine Aussage. Viel Sport hilft dabei, seit 6 Jahren Judoka, im Club, dann das Fitnessstudio und viel Schwimmen. Weitere Eckpunkte zum stressfreien Leben, zur stressfreien Arbeit: auf dem Balkon mit der Freundin ein Gläschen Wein, ein bisschen kochen und sonst so oft wie möglich raus, mit dem Auto Portugal anschauen. Das Erfolgsrezept greift. Küchenchef Michael Mühlbauer ist ein Koch mit hohem Anspruch, den er mit seiner Kochkunst erfüllt. Und das- bei voller Auslastung- für 550  ‚kleine Gourmets‘, wie Mühlbauer sagt und jeder Gast nimmt das natürlich für sich in Anspruch.

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Was sich hier Tag für Tag abspielt ist tatsächlich verblüffend. Eine umwerfende  Vielfalt bei den Büffets, eine Qualität und Sorgfalt bei der Zubereitung, die mit Spitzenrestaurants Schritt halten kann. Die Produkte sind erstklassig, Fischer, Metzger, Gemüsehändler, meist aus der Region. Wenn ein Produkt nicht in ausreichender Menge geliefert werden kann, dann-so der Chef- ‚ist das eben so‘. Themenabende werden auch nach der Reaktion der Gäste gestaltet, Ausnahmen sind das italienische Büffet, die Gerichte allerdings ändern sich und der ‚Ausblick auf die Woche‘. Portugiesische  Elemente sind immer vorhanden, Gästeköche kommen und präsentieren den Weg hin zu einer noch leichteren Küche. Wunderbar, dass für Michael Mühlbauer immer das Produkt im Mittelpunkt steht, unverfälscht, nichts verkünstelt durch konträre Elemente und Gewürze. Fleisch muss nach Fleisch schmecken und Fisch nach Fisch. Konzentration auf das Wesentliche mit ein oder zwei begleitenden Elementen, die immer wieder zu Geschmacksüberraschungen und Geschmacksexplosionen führen. Hier ein Dornhai auf lauwarmem Kichererbsensalat.

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Perfekte Garung durch Niedrigtemperatur – ein umwerfender voller, zart schmelzender Fischgeschmack – knackige Taufrische und als Gegensatz der leicht  nussige Kichererbsenbiss. Und dann die Sauce – Pflaumenpräsenz, die zu einer ungeahnten Harmonie führt!!

Eine interessante Nagelprobe für Qualität, Umsetzung und Können ist das allwöchentliche Spezialdinner in besonderer Atmosphäre, mit begrenzter Teilnehmerzahl.

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Die Vorspeisen: ein Avocadotatar.

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Sehr gute Frucht, eine herrliche Frische, was fehlt ist ein wenig aufpeppende Würze wie Salz, Pfeffer, Chili und Limette.

Die Boquerones

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eine leichte frische Säure. Appetitanregend.  Meer und mehr pur.

Gegrillter Ziegenkäse auf Linsen.

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Die Hülsenfrucht harmonisch abgerundet im Geschmack, leicht rauchig durch den Grillgeschmack des Ziegenkäses. Gekonnte Würzzurückhaltung, denn Würze und Raffinesse stellen sich ein durch den Käse

Eine Lachsrose mit Fenchelsegel und Fenchelsalat.

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Ein sehr schöner, pikanter Salat, wunderbares Olivenöl aus der Region, das Fenchelsegel karamellisiert-ein  süß- herbes Signal.

Der Räucherlachs ohne geschmackliche Aufregung- nur ein Markenzeichen: Salz

Bei den Hauptgerichten ein perfekt gegrillter Loup

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 Meereswonne pur, ein saftiges kräftiges Fleisch voller Wohlgeschmack. Dazu ein Gemüsespieß, süßlich-saftig, ein Trio aus Champignon, Tomate und Aubergine.   Farblicher Knaller dann blaue papas assadas mit roter und grüner mojo. Kanarische Kunst fühlt sich auch in Portugal wohl.

Dieselben Beilagen auch zum gegrillten Pulpo, perfekt gegart mit kräftigem Meerstiergeschmack und leichter Krustentiersüße. Sternenlecker.

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Abstriche dann leider beim surf und turf: das Rinderfilet gut im Geschmack, dazu ein Stück gegrillter Mais, das zu wohligen Geschmacks-Höhenflügen verführt. Die black tiger prawns leider  verhärtet, durch zu langes Garen. Der zweite Versuch kann als gelungen gelten, glasig, saftig, süß. Der große Reinfall das Iberico Schwein, eigentlich besonders würzig mit einem einzigartigen nussigen Geschmack.  Nichts davon, außerdem ein echter Plombenzieher.  Die Ware ging übrigens am nächsten Tag zurück zum Händler.

Ein einmaliger Ausrutscher.

Das Dessert linderte dann den Gaumenschmerz in wohliger Weise.

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Ein Bananen Parfait mit einem vollen, nicht überbordenden sahnigen Geschmack, dazu ein Kirschkompott als leichte Süße zum Parfait und eine  Knusperhippe als knackiger Kompagnon.

Insgesamt ein gelungenes kulinarisches Erlebnis.

Michael Mühlbauer und seine Mannschaft sind auf einem hervorragenden Weg, Garanten für Erholung und Entspannung durch Genuss.

Mit dem portugiesischen Literaturnobelpreisträger José Saramago kann ich nur sagen: der Reisende kommt bald zurück: „Das Ende einer Reise ist nur der Anfang einer neuen. Man muss ansehen, was man noch nicht gesehen hat, noch einmal sehen, was man schon gesehen hat, im Frühling sehen, was man im Sommer gesehen hat,  tagsüber sehen, was man im Dunkeln gesehen hat, bei Sonne, wenn es beim ersten Mal geregnet hat, die grünen Kornfelder, die reife Frucht, den Stein, der sich verlagert hat, den Schatten, der vorher nicht hier war. Man muss die Wege gehen, die man gegangen ist, sie wiederholen und neue Wege neben ihnen bahnen. Man muss noch einmal zur Reise aufbrechen. Immer wieder. Der Reisende kommt bald zurück. 

aus: José Saramago  ‚Die portugiesische Reise‘  Rowohlt Verlag GmbH  2003

(Seite 593 f)

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Hier übrigens ein Link der TUI auf den Club    http://www.tui.com/hotels/robinson-club-quinta-da-ria-95142/hotelinformation/