AktuellesBühnenKultur

Dawson

DAWSON ist die erste Arbeit des international bekannten und renommierten Choreographen David Dawson für Berlin. Der zweiteilige Ballettabend wurde mit großem Erfolg beim Publikum Ende Januar für die Saison zum letzten Mal aufgeführt. Schade. Steht doch in den beiden Stücken CITIZEN NOWHERE und VOICES thematisch ganz und gar der Mensch im Mittelpunkt. In unterschiedlich modernen Formen getanzt, besonders ausdrucksvoll und nachhaltig wirkend gerade in diesen Zeiten.

“Man sieht nur mit dem Herzen gut”

CITIZEN NOWHERE angelehnt an Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“ zeigt das menschliche Alleinsein sein, visualisiert Träume und die Sehnsucht nach Liebe. Alexander Bird tanzt perfekt dieses 25-minütige Solo auf der großen Bühne, nimmt sie großartig mit seinen schnellen Sprüngen, Drehungen, Schritten und seinem tänzerischen Charakter ein.

Programmheft DAWSON, Deutschen Oper, Foto:© gab

Dazu das passende Bühnenbild von Eno Henze. Auf das Wesentliche reduziert erscheinen moderne Projektionen von Zitaten, Zahlenreihen und Buchstaben. Sie begleiten den Tänzer, ergänzen seine Gefühlswelt in seinen ausdrucksstarken Tanzformen. Sie ist verständlich, die immer wiederkehrende Sehnsucht nach Liebe in der Einsamkeit. Zum Finale entflieht der einsame Tänzer nach seiner bravourösen tour de force ganz in die Weite des (Bühnen)Kosmos und bleibt als Erinnerung per Videoeinspielung zurück.

Voices – inhaltliche Ausgewogenheit

Mit VOICES macht Dawson einen großen Schritt ins Politische. Es geht ihm in diesem Stück, entstanden im Lockdown, um die weltweite Einhaltung der Menschenrechte. Eingesprochen von Menschen aus mehr als 70 Ländern begleiten sprachlich die Forderungen von 1948 aus der Resolution der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die 14 Tanzpaare auf der Bühne. Sie tanzen den Idealfall, zeigen was möglich ist, wenn im alltäglichen Leben tatsächlich respektiert wird: “Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren”. Das Ergebnis: gegenseitige Akzeptanz und allgemeine Harmonie. Und so formieren sich die Paare nach der Musik von Max Richter in unterschiedlichste Gruppierungen. Die Tänzer*innen fliegen, schweben und kreisen umeinander, tanzen zusammen, trennen sich, finden im Einklang wieder zusammen. Es gibt keine Provokationen. Großartig professionell modern und ästhetisch getanzt, der Traum einer bessern Welt.

Artikelfoto: Pausenfoto DAWSON in der Deutschen Oper mit Programmheft, Foto:© gab