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Mrs. Dalloway – literarische Moderne

Das gerade neu übersetzte und kommentierte Buch von Virginia Woolf kommt passend zur Sommerszeit. Eine willkommene Urlaubslektüre, die durch das handliche Format der Ausgabe in eine noch so kleine Reistaschen passt. Ja, das Buch ist anspruchsvoll, es braucht seine Zeit zur Reflektion und wird berechtigt als Meisterwerk der Autorin gehypted.
Einen einzigen Tag begleiten die Leser:innen in London Mrs Dalloway. Von morgens mit den Vorbereitungen für ihre abendliche Gesellschaft, über den Mittag beim Lunch oder beim Spaziergang  im Park bis zu ihrer abendlichen Party.
Die Handlungen werden zeitlich eingeordnet von den konsequent ertönenden Schlägen des Big-Ben.

Spiegel der Gesellschaft

Um die Hauptakteurin, herum einige Personen, die in der Menge nicht viel erscheinen, aber die  deutlich die britische Gesellschaft nach dem Krieg charakterisieren.
Ob es der von Verfolgungswahn geplagte Kriegsveteran Septimus Warren Smith, seine Frau, die Italienerin Lucrezia Smith, Tochter Elisabeth oder Cousine Sally Seton, der Hausarzt Dr. Holmes, der Psychiater Sir William Bradford oder die Privatlehrerin, Doris Kilman, sie alle könnte man mit ihren Eigenheiten, Wünschen, Emotionen und Unsicherheiten auch heute begegnen.  Das macht den Inhalt des Buches so zeitlos und lesenswert. Jede Romanfigur beschreibt Virginia Wolf in ihrer Komplexität, macht sie bildlich vorstellbar und menschlich greifbar.

Meisterwerk der Literatur

Als das Buch 1925 erschien, galt im Roman auch Lady Bruton als eine besondere Frau, die sich mehr für Politik interessierte, als für die üblichen gesellschaftlichen Gesellschaftsthemen. Das Buch, das sehr viel aus der eigenen Seele Virginias Wolfs beschreibt, gilt als Mit-Wegbereiter für frauenspezifische Themen in der Literatur der Moderne.
„Ein vielstimmiges, rasant erzähltes Panorama einer unsichtbaren Welt. Was 1925 aktuell war, ist es knapp 100 Jahre später wieder“, fast Vera Kaiser ihr Nachwort passend zusammen.

Mrs. Dalloway
Roman von Virginia Woolf
Deutsche Neuübersetzung von Melanie Walz
Nachwort von Vera Kaiser
Manesse  Verlag | ISBN: 978-3-7175-2556-1

 

Artikelfoto: Big-Ben London, Bild von Bond Supanat auf Pixabay Pixabay License