Neuseelands Sterne-Köche

110 Gourmets- Restaurants in Neuseeland erhielten erstmals im Sommer 2026 Sterneauszeichnungen im Michelin Guide. Ein Start für Entwicklung Neuseelands in den internationalen, kulinarischen Kosmos:
ein Restaurant, Essence in Queenstown, erhält zwei Michelin -Sterne, 14 Restaurants einen Michelin-Stern, 35 Restaurants einen Bib Gourmand und 60 Restaurants wurden als Michelin Selected ausgezeichnet.
Zu den Restaurants mit einem Stern gehören LoganBrown in Wellington mit Shaun Clouston, Simon Levy mit INATI in Christchurch und in Auckland das Tala von Henry Onesemo.

Schillers Gourmetreisen hat mit drei Neuseeländern Sterne-Köche gesprochen. Sie alle erhielten 2026 ihren ersten Stern.

Shaun Clouston, Restaurant LoganBrown in Wellington:

Können Sie Ihr Gefühl beschreiben, als Ihr Restaurant mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde?
Mein erster Gedanke war: „Wow, das passiert jetzt wirklich.“ Gleichzeitig empfand ich eine enorme Dankbarkeit und großen Stolz. In der Gastronomie geht es immer um das Team, und eine solche Anerkennung spiegelt die Hingabe, Leidenschaft und harte Arbeit so vieler Menschen über viele Jahre hinweg wider. Ich war unglaublich stolz – nicht nur auf uns bei Logan Brown, sondern auch auf Wellington und Neuseeland. Zu sehen, wie unsere Küche, unsere Produkte, unsere Gastfreundschaft und unsere kulinarische Identität auf der Weltbühne Anerkennung finden, war etwas ganz Besonderes.

Gourmetküche – was bedeutet das für Sie persönlich?
Für mich bedeutet Fine Dining, unvergessliche Erlebnisse zu schaffen, die Menschen durch Essen, Gastfreundschaft und Geschichten miteinander verbinden. Es geht nicht um Formalität oder Luxus, sondern um die Liebe zum Detail, den respektvollen Umgang mit Zutaten und darum, dass sich die Gäste wirklich umsorgt fühlen. Das größte Privileg ist es, Menschen nach Hause gehen zu sehen, nachdem sie ein besonderes Erlebnis miteinander geteilt haben, an das sie sich noch lange nach dem Essen erinnern werden.

Wie sieht Ihr kulinarisches Konzept aus?
Bei Logan Brown konzentriert sich unsere Philosophie darauf, das Beste zu präsentieren, was Neuseeland zu bieten hat. Wir zelebrieren außergewöhnliche lokale Zutaten, arbeiten eng mit Produzenten zusammen und kreieren Gerichte, die unsere Jahreszeiten und unsere Kultur widerspiegeln. Unser Ansatz verbindet technische Raffinesse mit Ehrlichkeit und Einfachheit und gibt den Zutaten die Möglichkeit, für sich selbst zu sprechen. Vor allem möchten wir ein kulinarisches Erlebnis schaffen, das unverkennbar neuseeländisch, herzlich, authentisch und von echter Gastfreundschaft geprägt ist.

Simon Levy, Reataurant INATI in Christchurch:

Wie würden Sie Ihren Küchenstil beschreiben?
Meine Küche basiert auf Herkunft, Saisonalität und der Qualität der Produkte. Die Zutaten und Menüs werden von der Erde, dem Land und dem Meer Neuseelands sowie von den Beziehungen geprägt, die wir über viele Jahre zu Produzenten, Landwirten, Fischern und Winzern aufgebaut haben. Meine Ausbildung in London hat mir eine starke Grundlage in klassischer Küche, Disziplin und Präzision gegeben; Neuseeland wiederum hat meine Sicht auf Lebensmittel durch die außergewöhnlichen Produkte und die besondere Verbindung zu Land und Jahreszeiten verändert. Die Küche bei INATI ist in ihrer Intention einfach, aber präzise in der Umsetzung – immer geleitet von der Qualität der jeweiligen Zutat.

Haben Sie Lieblings-Zutaten?
Wenn ich mich entscheiden müsste, wären es Gemüse, die bei uns den „Earth“-Teil der INATI-Speisekarte bilden. Gemüse ist unendlich interessant, weil es sich mit den Jahreszeiten, dem Boden und der Art des Anbaus so stark verändert. Kohl ist dafür ein perfektes Beispiel: eigentlich ein sehr einfaches Produkt, das aber außergewöhnlich sein kann, wenn es gut angebaut und richtig zubereitet wird. Die Qualität der Produkte hier in Neuseeland ist außergewöhnlich.

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für die Zukunft,
Der Mechelin Guide gibt Neuseeland eine größere Stimme auf der internationalen kulinarischen Bühne. Wir hatten hier schon immer außergewöhnliche Lebensmittel und Weine, liegen geografisch aber weit entfernt von vielen traditionellen kulinarischen Zentren der Welt. Die Anerkennung durch den Michelin Guide gibt internationalen Gästen einen weiteren Grund, nach Neuseeland zu schauen.

Was heßt das speziell für die Branche Neuseelands?
Besonders spannend ist, dass dadurch die gesamte Bandbreite an Talenten sichtbar wird – nicht nur Köche, sondern auch Landwirte, Produzenten, Fischer, Winzer und all diejenigen, die hinter den Kulissen arbeiten. Es ist eine Anerkennung für eine ganze Branche und eine Chance für Neuseeland, der Welt seine eigene kulinarische Geschichte zu erzählen.
Für die nächste Generation hoffen wir außerdem, dass junge Köchinnen und Köche erkennen, welche Möglichkeiten sie hier haben: Sie müssen nicht mehr ins Ausland gehen, um in Mechelin ausgezeichneten Restaurants zu arbeiten, sondern können diese Erfahrung nun auch zu Hause sammeln. Gleichzeitig kann die Anerkennung internationale Talente dazu ermutigen, nach Neuseeland zu kommen.

Henry Onesemo, Restaurant Tala in der Hauptstadt Auckland:

Was würden Sie sagen, waren Ihre wichtigsten Eckpunkte auf dem Weg zum Sternekoch?
Meine ersten Erinnerungen ans Kochen stammen aus meiner Kindheit in Samoa, als ich sonntagmorgens mit meinem Vater zum Fischmarkt ging und wir anschließend vor dem Kirchgang gemeinsam den traditionellen umu vorbereiteten. Nachdem ich in Hawaii und Florida gelebt und gearbeitet hatte, kehrte ich nach Samoa zurück und ließ mich zum Koch ausbilden.
Meine berufliche Laufbahn führte mich anschließend in verschiedene Spitzenküchen in Auckland und später ins Michelin-Sternerestaurant Gaa in Bangkok. Während der Pandemie kehrte ich nach Neuseeland zurück. Ende 2023 eröffneten meine Frau Debby und ich schließlich TALA, um die samoanische Küche in einem neuen Licht zu präsentieren und Menschen die Wärme und Schönheit samoanischer Gastfreundschaft näherzubringen.
2026 schrieb TALA Geschichte als erstes samoanisches Restaurant weltweit, das mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde.

Haben Sie Beispiele, welche Rolle regionale Themen und Produkte, z. B. aus der Geschichte, in Ihrer Küche spielen?
Die samoanische Kultur und Geschichte stehen im Mittelpunkt von TALA. Der Name „TALA“ bedeutet auf Samoanisch „Geschichte“, und unser Degustationsmenü erzählt Geschichten über samoanische Traditionen und Esskultur. Dafür greife ich auf Aromen und Gerichte meiner Kindheit sowie auf die Dörfer, Straßenstände und kulinarische Geschichte Samoas zurück und interpretiere sie zeitgemäß.
Ein wichtiges Beispiel ist unser Umu Chicken. Dabei verwenden wir die traditionelle samoanische Garmethode des umu, eines Erdofens. Das Huhn wird in Bananenblätter gewickelt und während des Services über heißen Kohlen und Steinen gegart. Die Bananenblätter und die Zubereitung verleihen dem Fleisch Feuchtigkeit und einen subtilen Rauchgeschmack.
Auch Pisupo, das in Samoa stark mit Corned Beef und Konserven verbunden ist, wird bei TALA neu interpretiert. Gleichzeitig kombinieren wir traditionelle samoanische Zutaten wie Taro und Kokosmilch mit hochwertigen Produkten wie Dry-Aged Sirloin, Wachteleiern oder Kaviar. So verbinden wir kulturelle Tradition mit modernem Fine Dining.

Woher kommen Ihre Ideen und Ihre Inspirationen?
Die Inspiration kommt vor allem aus meiner samoanischen Herkunft, meinen Kindheitserinnerungen und der Esskultur meiner Heimat. Viele Gerichte basieren auf Aromen und Erfahrungen aus samoanischen Dörfern, Straßenständen, traditionellen Kochmethoden und meiner eigenen Familie. Gleichzeitig fließen meine internationalen Erfahrungen als Koch in Neuseeland und im Michelin-Sternerestaurant Gaa in Bangkok in meine Arbeit ein.
Mein Ziel ist dabei nicht, die samoanische Küche grundsätzlich zu verändern, sondern traditionelle Geschmacksprofile und Techniken mit modernen Methoden weiterzuentwickeln und zu zeigen, welchen Platz samoanische Küche auf der internationalen kulinarischen Bühne einnehmen kann.

Alle Sterne-Köche verbindet Tiakitanga – ein Māori-Begriff für Fürsorge, Bewahrung und den Schutz der Natur. Das ist in Neuseeland weit mehr als ein Leitgedanke: Es ist ein grundlegendes Prinzip. Der tiefe Respekt vor der Natur und die enge Verbundenheit mit ihr prägen den Anbau, die Ernte und den Umgang mit Lebensmitteln im ganzen Land. Auf die Teller bringt das dann ganz besondere, kulinarische Ergebnisse.

Wir bedanken uns für diese innteressanten Informationen, die zeigen, dass Neuseelands Köche selbstbewußt und proffessionell nun endlich in der internationalen Liga, im Michelin Guide, anerkannt werden mußten.
Wir gratulieren herzlich.

Weitere Informationen zur Neuseelands Sterne Kulinarik

Artikelfoto: Ein Mix des traditionellen Māori Hāngī, Foto: Tourism NZ Visual Library