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Staatsballett live- lange erwartet

Nach einem so langen Verzicht durch die Corona-Pandemie erwartete geradezu freudig. das Publikum das Wiedersehen mit dem Staatsballett Berlin Ende August in der Deutschen Oper Berlin. Noch bevor sich der Vorhang zu „From Berlin with Love I“ hob, stimmten wechselnde, übergroße Porträts der Tänzer*innenauf den live Ballettabend ein. Obwohl platzversetzt und im Corona-Abstand sitzend schuf die Begrüßung durch den Direktor des Hauses ein besonderes, persönliches Willkommen. Endlich wieder eine live Aufführung der Tänzer und Tänzerinnen zur neuen Spielzeit mit Publikum. Hatten die Ballett-Begeisterten zwar per Video-Aufzeichnungen Kontakt zum Staatsballett während ihrer Quarantäne gehalten, spürte man jetzt die Freude und die Spannung auf diese Gala.

Gala der Choreographien

Die Gala verspricht Sternstunden und Überraschungen und die ziehen sich mit insgesamt 10 Stücken, darunter drei Berliner Erstaufführungen und einer Uraufführung, durch den gesamten fast zwei stündigen Abend ohne Pause.

Staatsballett Berlin, FROM BERLIN WITH LOVE I; PAS DE QUATRE by Anton Dolin, Iana Salenko, Yolanda Correa, Ksenia Ovsyanick, Elisa Carrillo Cabrera, Foto©: Carlos Quezada

Das erste Bühnenbild romantisch, mit Himmel und Wolken, assoziiert Weite. Weite, die sich über das künstlerische Repertoire des Abends ausbreitet. Das klassische PAS DE QUATRE (Iana Salenko, Yolanda Correa, Elisa Carrillo Cabrera und Ksenia Ovsyanick) von Anton Dolin in der Choreografie von Jules Perrot mit Tutus und Spitzentanz begeisterte zu spontanem Zwischenapplaus.

Alexander Abdukarimov tanzt seine moderne, eigene Choreographie aus der Stille, aus der Dunkelheit. LOOK OUT FROM THE SILENCE ist die Auseinandersetzung mit sich selbst zu dem wieder Sichtbaren. Ein Gefühl, dass das Publikum euphorisch begleitet.

Der musikalische live Auftritt des Trios mit Elisabeth Heise-Glass (Violine), Arne Christian Pelz (Violoncello) und Alina Pronina (Klavier) setzte mit dem Adagio von Peter I. Tschaikowsky aus SCHWANENSEE einen besonderen Höhepunkt. Iana Salenko und Marian Walter tanzten das berühmte Pas de deux aus Schwanensee virtuos und gefühlvoll.

Ebenso wie dieses Stück schafft auch DU BIST DIE RUH (Uraufführung) mit der Livemusik eine ganze persönliche, fast intime Atmosphäre. Nach der Choreographie von Andreas Heise und der Musik von Franz Schubert zeigte Yolanda Correa anmutig und schwungvoll moderne Tanz-Elemente.

Vielfalt an Emotionen

Es reihen sich abwechslungsreich und künstlerisch anspruchsvoll die tänzerischen Highlights aneinander: EIN SOMMERNACHTSTRAUM mit den Tänzer*innen Sarah Brodbeck, Vahe Martirosyan, Evelina Godunova, Yevgeniy Khissamutdinow, Alizée Sicre und Alexej Orlenco, „M – DAO“ in der modernen Choreographi Yabin Wang mit der Ersten Solotänzerin Ksenia Ovsyanick, CINQUE mit  Superstar Polina Semionova, LES BOURGEOIS mit Dinu Tamazlacaru, KAZIMIR’S COLOURS mit Ersten Solotänzer*in Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kaniskin. Den abendlichen Tanzkreis schlossen bunt und voller Sprungkraft vier Herren: Danil Simkin, Dinu Tamazlacaru, Cameron Hunter und Konstantin Lorenz mit VARIATION FOR FOUR.

Noch ganz im Eindruck der besonderen Choreographien und tänzerischen Leistungen zeigt ein abschließendes Video die Tänzer*innen des Staatsballetts während ihrer konzentrierten Arbeit im Ballettsaal. Auf der Bühne war nichts mehr von den Anstrengungen der Proben zu spüren. Die Freude, nach der Corona-Pause endlich wieder „ihre“ Bühne betanzen zu dürfen, übertrug sich auf das Publikum und begeisterte es, sicher auch an den kommenden Ballettabenden. Das Corps de ballet ist bravourös auf der Berliner Bühne zurück.

FROM BERLIN WITH LOVE II –  18./19./20.09.2020  Staatoper unter den Linden

FROM BERLIN WITH LOVE III – 17./18.10.2020, Deutsche Oper Berlin

 

Artikelfoto: LES BOURGEOIS by Ben van Cauwenbergh, Staatsballett Berlin Dinu Tamazlacaru,  Foto ©: Carlos Quezada